Von Männern und Muscheln

      Von Männern und Muscheln

      Heute wollen wir uns mal dem sogenannten starken Geschlecht widmen, und seiner Ähnlichkeit mit den im Titel erwähnten Schalentieren. Wer Muscheln kennt weis dass sich die normale Muschel nur eben soweit öffnet das es zum Fressen und Überleben ausreicht, und sobald etwas auch nur in ihre Nähe kommt schnappt sie zu und bleibt es auch erstmal. Was hat das jetzt mit uns Männern zu tun? Nun wir Männer, ich kann jetzt nur für die deutschen sprechen, sind genauso verschlossen wie Muscheln, wir zeigen nach außen unsere blankpolierte Schale und geben nur genauso viel von unserem inneren preis wie unbedingt nötig ist, und wenn jemand etwas mehr erfahren will schnappen wir zu. Ich weiß nicht genau was dafür verantwortlich ist, die Erziehung, die Erwartungshaltung unserer Umgebung, der eigene Stolz oder vieleicht auch Pflichtbewusstsein, das Endergebnis ist in jedem Falle dasselbe, ein Mensch der nach außen hin keinerlei Gefühle zeigt, vieleicht abgesehen von gelegentlichem Lachen, aber auch das nur wenn es angebracht erscheint.
      Natürlich haben wir dafür gute Gründe, zum ersten ist es neunmal so das, in unseren jüngeren Jahren, das sogenannte schwache Geschlecht keinen großen Gefallen an sehr gefühlsbetonten jungen Männern hat, zumindest nicht wenn es um Beziehung geht. Im Arbeitsleben ist auch nicht wirklich Platz für Gefühle, und auch privat interessiert es eigentlich keinen, zumindest nicht die "Freunde", das ganze fängt schon sehr früh an, wie alle kennen den Spruch " ein Indianer kennt keinen Schmerz" mit dem man Jungen dazu bringt Gefühle zu unterdrücken, ähnlich wie " stell dich nicht wie ein Mädchen an" oder " Jungs weinen nicht" also trainieren wir schon früh alle Gefühle streng unter Kontrolle zu halten und nur nach außen zu zeigen was angemessen erscheint, was, zumindest ist das bei mir der Fall, den Eindruck erweckt als ginge es uns immer gut, oder für Personen die uns näher stehen, als wären wir ein Gefühlskalter Klotz, das hört man vor allem von Ehefrauen immer wieder.
      Aber es ist eine Lüge, natürlich haben Männer auch Gefühle, vieleicht nicht dieselben wie eine Frau, aber bestimmt nicht weniger ausgeprägt, wir sind nur mit der Zeit unfähig geworden sie zu zeigen, und ich meine das wie ich es sage, wir können sie nicht zeigen, selbst wenn wir uns dazu entschließen wollten, weil es uns in unseren eigenen Augen herabsetzen würde, deswegen wird alles was möglich ist unterdrückt, das Endergebnis sind dann Magengeschwüre, Herzinfarkt und ähnliche Leiden. Gefühle können ganz schön wehtun, deswegen versuchen wir nach Situationen bei denen es zu Gefühlsausbrüchen kommen könnte zu meiden. Sei es nun ein wirklich trauriger oder auch Besonderst rührender Film, oder Buch. Sei es ein langer Abschied oder was auch immer, wir gehen diesen Situationen aus dem Weg, wann immer es uns möglich ist.
      Das hat natürlich Auswirkung auf unsere Beziehungen, auch wenn Frauen in jungen Jahren gerne einen "starken" Mann möchten, so wollen sie doch später einen Mann mit dem sie auch ihre Gefühle teilen können, der sie versteht, und sehen dabei oft nicht, dass das nicht so einfach ist, was zu einer schlimmen Abwärtspirale führen kann, Sie beschwert sich über seine Gefühlskälte, und er ist verletzt und frustriert, kann das aber nicht zeigen, im Gegenteil der Panzer wird noch etwas ausgebaut, so das auch ja nichts nach außen dringt, was sie dann wieder wahnsinnig macht, und so weiter.
      Es hat auch Auswirkungen auf unseren Glauben, gerade auch als Christen, denn einiges in unserem Glauben hat mit Gefühlen zu tun, die wir nicht zeigen wollen, sei es ausgelassene Freude, oder auch Traurigkeit wenn wir angerührt werden. Um nur ein Beispiel zu nennen, in charismatischen Gemeinden kommt es immer wieder vor das der Heilige Geist einen Menschen so stark berührt das dieser umfällt, unkontrolliert lacht oder sonst irgendetwas, für uns seltsames tut, für diesen Menschen ist das eine sehr heilsame und Gute Erfahrung, die seinen Glauben und seine Gottesbeziehung deutlich stärkt. Ich hatte bei solchen Anlässen jedoch immer unglaubliche Angst das mir das passieren könnte, nicht etwa das ich nicht mit dem Heiligen Geist erfüllt sein wollte, ich wollte einfach nicht die Kontrolle über mich verlieren, und weil der Heilige Geist uns nicht zwingt, ist mir das auch nie wiederfahren, zu meinem Schaden.
      Auch wenn es uns nicht schmeckt, Gefühle sind wichtig, und es ist notwendig für uns sie zu und auch raus zulassen. Jesus kann uns auch hier ein Vorbild sein, oft lesen wir das er angerührt war, erfreut, erstaunt, wütend oder auch traurig war, und da die Evangelisten das niederschreiben konnten, müssen diese Gefühle nach außen hin sichtbar gewesen sein, so sichtbar das sogar Lukas, der ja nur niederschrieb was andere erzählten, davon berichten konnte, sprich die Gefühle Jesu waren meistens für jeden der ihn seiner Nähe war sichtbar. War Jesus deswegen schwach, weinerlich oder kein Mann? Ich denke wir kennen die Antwort, Jesus war nicht nur ein Mann, er war der perfekte Mann. Auch andere große Männer der Bibel hielten nicht mit ihren Gefühlen hintern Berg, lesen wir nur die Psalmen oder das Hohelied durch, also können wir davon ausgehen das es Blödsinn ist seine Gefühle immer zu unterdrücken, wir sollen sie zwar unter unserer Kontrolle haben, aber wir dürfen sie zulassen und Zeigen.
      Nur wie sollen wir das tun, Jahrelanges Training ist nicht von heute auf morgen zu überwinden, das kostet Zeit und ist, das kann ich euch versichern, kein Zuckerschlecken ( ich weise hier nochmal ausdrücklich darauf hin das ich selbst in Sachen Gefühle nicht Zeigen wirklich sehr gut bin, und auch selbst gerade anfange daran zu arbeiten, ich rede also aus dem Protzes und nicht als der stolze Überwinder) Zuerst müssen wir beginnen uns selbst unsere Gefühle einzugestehen sie vor uns selbst zuzugeben, dazu kann es hilfreich sein, eben jene Filme und Bücher, die man bisher wie die Pest gemieden hat, zuzulassen, wenn auch erstmal allein, und dann unsere Gefühle zulassen, und wenn wir das Geschafft haben, auch dem Partner gegenüber und irgendwann vieleicht auch Freunden und Geschwistern gegenüber, auch wenn es bis dahin ein langer Weg ist, ich denke er lohnt sich, egal ob Christ oder nicht, aber als Christen haben wir natürlich noch das Gebet, und ich kann euch versichern das Gott uns nur zu gerne hilft, unseren Gefühlen und unserer Umwelt gegenüber ehrlich zu sein.
      Christentum und Jesus sind nicht mein Hobby, sondern meine Lebensaufgabe