Der "liebe" Herr Pastor

      Der "liebe" Herr Pastor

      Der "liebe" Herr Pastor

      Es ist mir schon in vielen Gemeinden aufgefallen, und ich fürchte das es in fast jeder Gemeinde so ist, das der Pastor nicht wagt die eigene Gemeinde anzugreifen. Sicher wird neben den Lehrpredigten, die natürlich wichtig sind, denn die Lehrpredigten sind das Brot das wir als Christen brauchen, auch über die Probleme des Christenlebens gepredigt, aber stehst auf eine Art und Weise das sich der Zuhörer zufrieden zurücklehnen kann, und denken " schön das mich das nicht betrifft " ob das nun wahr ist oder nicht. Nur sehr selten werden wirklich Missstände in der Gemeinde erwähnt, aber stehst in so viel Zuckerwatte verpackt das sich auch wirklich niemand daran stört, etwa wie der erhobene Zeigefinger der Oma, die dabei lächelt und zwinkert, mit dem Ergebnis das jeder, selbst wenn er sich betroffen fühlt, das Ganze als "nicht so schlimm" abtut. Allenfalls Gastprediger hauen ab und an wirklich auf die Pauke, sie gehen ja kaum ein Risiko ein, im Gegenteil bei Gastpredigern lässt man sich gerne mal wachrütteln, aber in 90% aller Fälle nur um sich umzudrehen und gemütlich weiterzuschlafen. Und ich bin mir nicht sicher ob diese Gastprediger in ihren eigenen Gemeinden so auf die Pauke hauen.
      Der Grund dafür ist eigentlich klar, und ich kann ihn auch durchaus nachvollziehen, denn immerhin muss der Pastor mit der Gemeinde leben, und wenn ein Pastor wirklich Probleme und Missstände in der Gemeinde anprangert, sie nicht in Zuckerwatte verpackt und der Gemeinde unmissverständlich klar macht was falsch läuft, dann kann er damit rechnen das, zumindest ein Teil der Gemeinde, aggressiv darauf reagiert. Niemand wird schließlich gerne an den Wunden Punkten berührt. Der Pastor würde also riskieren das er von Gemeindemitgliedern angegriffen wird, das manche Leute nicht mehr kommen, und im schlimmsten Fall sogar, daß er seine Anstellung verliert, es ist also durchaus verständlich das er dieses Risiko nicht eingehen will. Trotzdem ist es, so verständlich es auch sein mag, falsch, denn in diesem Punkt folgt der Pastor nicht mehr Gottes Willen, sondern er beugt sich der Menschenfurcht, und entsprechend wird es Früchte tragen, indem die Gemeinde sich unmerklich immer weiter von Gott entfernt, und, das ist jetzt kein Witz, der Pastor irgendwann vor Gott für sein Verhalten Ablegen muss, siehe Jakobus 5,1.
      Es gibt natürlich immer wieder das Argument der Liebe, und gerade der Pastor sollte seine Gemeinde doch mit Liebe behandeln. Das Problem ist nur das es hier um falsch verstandene Liebe geht, Gottes Liebe, und diese sollte der Pastor ja weitergeben, hüllt nicht alles in Zuckerwatte. Natürlich sollte der Pastor seiner Gemeinde in Liebe begegnen, aber eben in der richtigen Art, so kann er durchaus, wenn er ein Problem zum ersten Mal erkennt, freundlich darauf hinweisen das da etwas getan werden muss, passiert dann aber nichts muss er deutlich und unmissverständlich werden, auch wenn sich manche Gemeindemitglieder dadurch angegriffen fühlen, was ja durchaus stimmt. Nehmen wir als Beispiel doch einmal das Bild eines Hirten der seine Schafe mit Liebe weidet, wenn er bemerkt das ein Lamm sich von der Herde entfernt wird er es zuerst auch Sanft zurückschubsen, wenn er aber dann sieht das es sich trotzdem wider Richtung Abgrund entfernt wird er es auch zurückreisen, er tut das aus Liebe, aber das Lamm wird sicher erschrocken sein, und wird vieleicht sogar Schmerzen haben, das ist die Liebe Gottes, denn ein Liebender Vater wird sein Kind nicht in die Irre gehen lassen, stellen sie sich nur vor ihr Kind würde auf eine Straße zusteuern, dann würden sie ihre Warnung auch nicht in Zuckerwatte packen, sie würden Laut rufen und dem Kind unmissverständlich klar machen das es dort nichts zu suchen hat, und es vieleicht sogar bestrafen wenn es nicht gehorcht, sie lieben ihr Kind deswegen nicht weniger, im Gegenteil, die Liebe treibt sie dazu so zu handeln.
      Genauso sollte ein Pastor handeln, auch wenn das der Gemeinde am Anfang sicher sauer aufstößt, im Endeffekt wird es zum Besten der Gemeinde sein, und auch der Pastor wird davon profitieren, wenn er sich nicht der Menschenfurcht beugt, denn der Herr hat uns zugesagt, wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten, werden wir mit allem was wir brauchen versorgt sein. Ich weiß das es schwer ist diesen Weg zu gehen, und womöglich würde ich in derselben Situation auch versagen, aber ich würde auf keinen Fall wollen, das ich mich vor Gott verantworten muss weil meine Gemeinde, durch meine Menschenfurcht, mehr Laudizea als Philadelfia ist. Paulus nimmt in seinen Briefen auch kein Blatt vor den Mund, und bei Paulus gehe ich davon aus, daß er auch so gepredigt hat.
      So zum Schluss noch, ich habe nur in der männlichen Form geschrieben, aber es gilt natürlich auch für Pastorinnen, es soll auch keine Wertung sein, ich finde einfach das Er/Sie, Pastor/in oder ähnliches den Lesefluss stört.
      Christentum und Jesus sind nicht mein Hobby, sondern meine Lebensaufgabe